Sustainability Week in Berlin bei der IHK

26. März 2024

Wie reden wir eigentlich über Nachhaltigkeit?

Die Woche vom 18.-22.03.2024 stand bei der IHK Berlin unter dem Stern der Nachhaltigkeit mit einer Reihe von Veranstaltungen zum selbigen Thema. Wer allerdings das Montags-Panel mit anschließender Diskussion besucht hat und hoffte mehr über Nachhaltigkeit zu erfahren, ging „leer aus“. Das habe ich beim anschließenden Get-Together und Netzwerk-Frühstück bei Gesprächen mit anderen UnternehmerInnen erfahren.

Ich beschäftige mich selbst schon lange mit dem Thema. Als Reiseveranstalterin ist es einfach dauer-relevant geworden. Viele Kunden fragen danach. MIttlerweile bin ich als Reiseveranstalter in einem Zertifizierungsprozess für eine Nachhaltigkeitslabel. Das ist für mich die Zukunft, insbesondere im Tourismus. Zertifizierungen und Verifizierungen müssen eingeführt werden, für Veranstalter und Agenturen, auch ausländische. Ich verfolge seit einiger Zeit schon die Veranstaltungen der IHK in meiner Wahlheimat Berlin. Als Mitglied picke ich mir immer meine Lieblingsveranstaltungen heraus, das was mich interessiert. Somit waren ein paar Einträge in meinem Kalender in dieser Woche.

In dieser Veranstaltungsserie war es klar, dass es um die Kommunikation der Nachhaltigkeit geht, nur was dabei herauskommen würde war einigen unklar. Ich ging mit Offenheit in die Veranstaltungen der „Kommunikation der Nachhaltigkeit“ und zu dem Montagmorgen-Event das auch auf den socials wie linkedin in und in der Presse oft geteilt wurde. Es war deshalb für mich keine Überraschung nicht mit Lösungen zur Nachhaltigkeit nach Hause zu gehen.

In der Woche gab es eine ganze Reihe von Panels, Workshops und Diskussionen zum Thema Nachhaltigkeit. Am Montag ging es allerdings tatsächlich um die Kommunikation des Themas, wie diese gestaltet werden sollte. Spannend fand ich – und habe mich angemeldet.

Learning

Erfahren habe ich: Es gibt gegensätzliche Meinungen und Strömungen in der Gesellschaft. „Nachhaltigkeit ist unsexy“ und „schlecht zu verkaufen“ sagen einige Unternehmen, andere leben sie schon. Dennoch gibt eine große Bewegung in der Öffentlichkeit, die gerne Teil der Nachhaltigkeitsbewegung sein möchte und sich sehr engagiert. Ich bin gespannt, denn dieser Trend wird auch die Tourismusbranche stärker in Richtung Wende bewegen. Das hat man übrigens schon auf der ITB Anfang März gespürt. Es gab viele Veranstaltungen und Panels zum Thema Nachhaltigkeit auf den Hauptbühnen an allen Tagen – und sie waren sehr gut besucht.

Aber zurück zur IHK und zum Auftaktfrühstück der Sustainablity Week. Es gab einige geladene Gäste in der Diskussion über die auch der Tagesspiegel berichtete.

Verschiedene Meinungen und Richtungen

Ist das Kompostklo die Lösung für die Gesamtscheiße?

Marius Hasenheit

Dieses Statement von Journalist Marius Hasenheit hat mich fast zum Lachen gebracht, ganz ehrlich. Ich mag es, wenn mit Sprache komplexe Sachverhalte herunter gebrochen werden:)

Für Trump ist der sich vegetarisch ernährende Fahrradfahrer z. B. ein richtiges Feindbild lt. dem Journalisten. In meiner Fantasie habe ich mir Donald Trump dann vorgestellt und wie er in Panik gerät bei der Vorstellung, die Menschen, insbesondere die Amerikaner, seine Wähler würden in großen Zahlen Fahrrad fahren und kein Fleisch mehr essen.

Welche Herausforderungen stellen sich?

Und warum stecken wir in der Krise mit der Kommunikation? Probleme sind lt. Diskussionsteilnehmern des IHK Panels primär Zweck-Journalismus, Greenhashing, fehlende Lieferkettenregulierungen – und das nicht alle Menschen mit einbezogen werden, mit an den Tisch zur Debatte gebeten werden.

Ich beobachte auch, das den Bürgern und BürgerInnen immer nur die halbe Wahrheit oder reduzierte Wahrheit zugemutet wird. Wer will schon gerne hören, dass wir in ein paar Jahrzehnten auch in Deutschland 49°C haben, wenn wir so weiter wirtschaften wie bisher. Nachhaltigkeit wird immer noch nicht als „normal“ angesehen, sondern eher als etwas exotisches. „Braucht man das wirklich?“ – fragen sich auch viele.

Eine weitere Herausforderung sehe ich auch in im Tempo. Nachhaltigkeit geschieht sehr langsam, nicht sofort. Auch müssen Taten folgen, so dass Glaubwürdigkeit entsteht seitens der Bevölkerung. Unnachhaltige Unternehmen existieren, weil ihre Produkte gekauft werden. Dieser Kreislauf muss erst einmal durchbrochen werden. Nur wie? Diese Fragen werden uns sicherlich weiter beschäftigen die nächsten Jahre.

Das Internet ist nicht nur unsichtbar und ein Schmutzfink

In der Digitalisierungsdebatte vermisse nicht nur ich komplett die grünen Labels. Auch darüber wurde diskutiert. Vor über einem Jahr habe ich meine Webseite einmal auf den CO2 Fußabdruck prüfen lassen – und habe mit der Note gut abgeschnitten, ein grünes Häkchen bekommen. Vielen Dank an dieser Stelle an eine grüne Webseiten-Agentur jut-so – nachhaltige Webseiten. Ich wußte bis dato noch nicht einmal, dass auch Webseiten CO2 Fussabdrücke hinterlassen. Asche auf mein Haupt! Viel mehr Nachhaltigkeitsbewegung in der Digitalisierung habe ich seitdem noch nicht gesehen. Ich habe das Ergebnis damals (vor 1,5 Jahren) stolz meiner Webdesignerin berichtet und habe mich gewundert, dass es in dem Bereich noch nicht Thema war. Da ist noch ganz viel Luft nach oben meiner Meinung nach.

Fazit

Ich fand es hochinteressant, unterschiedlichen Sichtweisen auf die Kommunikation der Nachhaltigkeit zu erfahren, wie z. b. von Dr. Ritter / Rittersport, der sagt, „Wenn wir Bio als Label vorne auf die Packung drucken, kauft es keiner“. Das hat mich sehr überrascht. Ich persönlich kaufe ja viel lieber, wenn Bio vorne draufsteht, auch wenn ich mir die Zertifizierung gut anschaue, von welcher Stelle sie kommt, wieviel sie wert ist, wie glaubwürdig diese ist.

Meine persönliche Richtung?

Viele kleine Schritte führen zu einem Großen. Anders kann man das Thema Nachhaltigkeit nicht in Angriff nehmen. In diesem Sinne, einen schöne Woche noch und ein Schritt nach dem anderen. Das ist gerade mein aktuelles Credo und es hat sich schon sehr oft bewährt.

Collage aus Frau, Vortrag und Namensschild
Nachhaltigkeitswoche
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