Eine der interessantesten – und zugleich unterschätztesten – Hauptstädte am Mittelmeer: So beschrieb ein Teilnehmer die tunesische Hauptstadt vor Kurzem
Mittelmeermetropole mit vielen Gesichtern
Christos, gebürtig aus Athen, arbeitet seit vielen Jahren für die Vereinten Nationen. Als Teil der internationalen Expat-Community hat er bereits in zahlreichen Metropolen gelebt – Menschen, die beruflich für Organisationen oder Unternehmen ins Ausland gehen oder ihren Lebensmittelpunkt bewusst verlagern. Sein Urteil wiegt daher schwer: Tunis sei eine Stadt, die oft übersehen wird – zu Unrecht. Und das ist eher selten von einer anderen Mittelmeer-Nation zu hören. Jeder liebt sein eigenes Land über alles.
Expatriats stellen in Tunis eine prägende Bevölkerungsgruppe dar. Sie tragen zum internationalen Charakter der Stadt bei und beeinflussen das Leben in Vierteln wie La Marsa sichtbar. Sie kaufen in Flechtkörben ein, versuchen ihren Müll europäisch zu trennen, unterstützen glutenfreie oder vegane Restaurants - und gehen zum Yoga. Wie auch viele TunesierInnen mittlerweile.
In Gesprächen wird deutlich, dass viele von ihnen ihre Perspektiven und Erfahrungen einbringen, ohne den lokalen Alltag zu übertönen. Sie leben mit den Tunesiern, Tür an Tür, treffen sich zum Aperó, Vernissagen oder anderen Festen. Darüber habe ich mich auch mit meinem Gastgeber ausgetauscht. Als Mitarbeiter der Vereinten Nationen und gebürtiger Grieche kennt er zahlreiche Küstenhauptstädte. Christos ist meinem Erfahrungshorizont offensichtlich voraus. Zwar habe ich viele Orte am Mittelmeer bereist, doch Hauptstädte direkt am Meer habe ich bislang nur wenige kennengelernt.
Tunis hat mich von Anfang an in den Bann gezogen. Die Banlieue Nord, der nördliche Teil, der sich über eine Halbinsel und zwei Lagunen, bis zum Künstlerort Sidi Bou Said ausdehnt, ist ein Lieblingsvorort für viele Besucher. Was wohl auch an den blau-weißen Häusern und dem grandiosen Ausblick auf den Golf von Tunis liegt, Viewpoint genannt.
Meine zweite Reise nach dem Sturz vom Diktator Ben Ail fand in einem historischen Jahr für das Land statt: Das Jahr der ersten freien, demokratischen Wahlen im Jahr 2014.
Ich habe Tunesien genau zu dieser Zeit mit einer Gruppe TangotänzerInnen besucht – wenige Jahre nach der Jasmin Revolution, dem arabischen Frühling in Tunesien. Die Tänzer kamen aus Deutschland, der Schweiz, Italien - und zur großen Überraschung aus Tunis.
Mit der Gruppe sind wir in die Medina von Tunis eingetaucht, haben uns verloren und fanden uns wieder in ihren Gassen – und tanzten schließlich Tango im Innenhof eines ehemaligen Stadtpalaste. Ein Moment, der vielen Gästen bis heute in Erinnerung geblieben ist.
Wie ich eingetaucht bin: Argentinischer Tango und ein Festival
Einige Jahre später, 2018 rief mich die Hauptstadt erneut zurück: Gemeinsam mit lokalen Tango-Kollegen organisierten wir ein Tango-Festival, The Tunis Fest, mit Gästen aus Deutschland, Algerien, Marokko, Frankreich und La Reunion. Die Venues, Milongas, ausgewählte Veranstaltungsorte waren in Sidi Bou Said, Karthago und in der Medina von Tunis. Video vom Gala Abend im Dar Zarrouk, Sidi Bou Said.
Ein paar Eindrücke vom Centre Ville und Sidi Bou Said






Die Tunis Medina
Die Stadt ist so konträr, wie eine Stadt nur sein kann. In der Medina von Tunis, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Altstadt, dominiert ein traditioneller Lebensstil. Sie zählt zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Städten der arabisch-islamischen Welt. Das spürt man besonders, wenn man zur Gebetszeit eine Dachterrasse besucht: Eine vielstimmige Klangkulisse entsteht, wenn die Rufe zum Gebet aus den Moscheen gleichzeitig durch die Altstadt hallen – fast wie eine eigene, lebendige Sinfonie, mehrmals täglich.
Vor allem das Gebet zum Sonnenuntergang ist ein besonderes Erlebnis. Begleitet wird es von einem Blick auf den orangeroten Himmel über dem offenen Meer, dem Golf von Tunis.
"Hauptstadtexplorer" Tunis mit meinen Augen
Durch die Brille eines Einheimischen mit meinen Augen sehen: Eine Woche lang erlebst du kulturelle Übersetzung in Echtzeit. Du bist nicht einfach ein Besucher – du wirst eingeführt in die Feinheiten der Kommunikation. Mit einem arabischen Grundwortschatz den ich dir vermittle baust du Brücken, kommst mit Einheimischen in Kontakt und entdeckst Orte, die bei Google verborgen bleiben.
Warum ich in diesem Frühjahr mein Reisekonzept entspannt habe?
Gerade in Tunis bedeutet das: nicht nur die berühmten Orte zu besuchen, sondern auch Zeit zu haben, durch die Gassen zu schlendern, in einem Straßencafé zu verweilen, Gespräche entstehen zu lassen und das Erlebte bewusst wirken zu lassen. Oft sind genau diese ruhigen Momente diejenigen, die noch lange nach der Reise in Erinnerung bleiben.
- Ankommen statt Abhaken. Die ersten ein bis zwei Tage sind oft vom Ankommen geprägt. Erst danach beginnt man, den Rhythmus einer Stadt wirklich wahrzunehmen.
- Erlebnisse besser verarbeiten. Neue Eindrücke, Gerüche, Farben, Gespräche und Begegnungen brauchen Zeit. Das Gehirn kann sie in Ruhe einordnen, statt ständig neue Reize aufnehmen zu müssen.
- Mehr Tiefe statt mehr Programmpunkte. Wer länger bleibt, entdeckt nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten, sondern auch kleine Cafés, Nachbarschaften und den Alltag der Menschen.
- Weniger Reisestress. Es entsteht kein Gefühl, alles "gesehen haben zu müssen". Das reduziert inneren Druck und macht die Reise entspannter.
- Raum für Reflexion. Nach einem intensiven Tag kann man Erlebtes bei einem Tee, einem Spaziergang oder im Reisetagebuch nachklingen lassen. Gerade dadurch entstehen oft die wertvollsten Erkenntnisse.
- Authentischere Begegnungen. Bleibt man länger an einem Ort, ergeben sich häufiger Gespräche mit Einheimischen oder anderen Reisenden. Man wird vom Gast zum vertrauten Gesicht.
- Die Stadt mit allen Sinnen erleben. Morgens erwacht die Stadt anders als am Nachmittag oder Abend. Eine Woche bietet Gelegenheit, verschiedene Stimmungen kennenzulernen.
„Eine Stadt erschließt sich nicht durch die Anzahl der besuchten Sehenswürdigkeiten, sondern durch die Zeit, die wir ihr schenken. Erst wenn Erlebtes nachklingen darf, wird aus einer Reise eine echte Erfahrung.“
Was du mitnimmst:
1. Tiefer verstehen statt oberflächlich sehen
Ohne Kontext bleibt vieles in der Medina of Tunis einfach „schön“ oder „chaotisch“. Mit der richtigen Begleitung erkennst du Zusammenhänge: Warum Dinge so sind, wie sie sind. Welche Geschichten hinter Orten stecken. Welche kulturellen Codes im Alltag wirken.
2. Zugang zu Momenten, die du allein vielleicht verpasst
Es geht nicht nur um Orte, sondern um Timing. Wann ist ein Ort still? Wann lebendig? Wo lohnt es sich zu bleiben, wo weiterzugehen? Diese feinen Nuancen machen den Unterschied zwischen einer einer prägenden Reise.
3. Hemmschwellen abbauen
Eine fremde Kultur kann faszinierend, aber auch distanziert wirken. Mit meiner erfahrenen Begleitung fällt es leichter, in Kontakt zu kommen – mit Menschen, mit Gewohnheiten, mit einer anderen Art zu leben. Du traust sich mehr, fragst mehr, erlebst mehr.
4. Perspektivwechsel statt Programmpunkte
Das Konzept folgt keinem klassischen „Must-see“-Denken. Es geht darum, eine Stadt aus verschiedenen Blickwinkeln zu erleben: laut und leise, traditionell und modern, eng und weit, genauso wie Sonne und Regen. Genau diese Kontraste machen Tunis greifbar.
5. Nachhaltige Eindrücke statt schneller Konsum
Nach drei Tagen nimmst du nicht nur Fotos mit, sondern hast ein Gefühl für die Stadt. Ein Verständnis. Vielleicht sogar eine veränderte Sicht auf Reisen selbst.
Am Ende ist der eigentliche Mehrwert nicht, was du gesehen hast –
sondern wie tief du eingetaucht bist.
Was dich erwartet
Während meiner Städtereise in Tunis geht es in das pittoreske Künstlerdorf Sidi Bou Said, durch die quirlige Medina, die Altstadt, and den Küstenort, das ehemalige "Klein Sizilien", Piccoloa Sicilia, wo ich mit einem Bestseller Autor 2018 für einen Roman und eine wahre Geschichte recherchiert habe. Es liegt nahe am Hafen von Tunis und eher abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Tipp: Le Café Vert für Meeresfrüchte, Fisch und lokalen Wein und mit Tunesiern feiern am Wochenende. Soweit geöffnet, werden wir auch das Sommerhaus des weltberühmten Designers Azzedine Alaïa besuchen. Hier hat er großartige Couture für Internationale Show entworfen und sich vom blauen Golf von Tunis inspirieren lassen.
Weitere Tipps bei Verlängerungen und Empfehlungen
Nicht nur für Regentage: Le Bardo, für die größte Mosaikensammlung der Welt in dem größten 2022 komplett renoviertem Museum
Karthago, die Hauptstadt des ehemals karthagischen Reiches ist immer einen Besuch wert. Eine wunderschöne Landschaft, mit atemberaubendem Blick auf den Golf belohnt außerdem
Tunis off beat: vom Gare de Tunis den Zug nach Ezzahara nehmen. Das Café Paul Klee besuchen und das ehemalige Casino, des früheren Luxusortes an der afrikanischen Côte D`Azur, St. Germain.
Tagestouren in den Norden oder nach Hergla, das un-touristische Sidi Bou Said. Mit dem Mietwagen oder mit der Louage (Abfahrt Centre Ville), am effizientesten.
Unterkunft während meiner Tunisreise:
Bei der aktuellen Herbstreise 2026 haben ich für meine Gruppe eine mondäne Stadtwohnung in einem Kolonialstilhaus aus dem 20. Jahrhundert im Herzen der Stadt reserviert. Infos für die Reise im November auf einen Blick als PDF zum Updload.



Klima
Im Sommer ist es in Tunis sehr heiß, das muss man mögen. Die beste Reisezeit ist von Oktober bis Mai. Baden kann man noch bis in den Dezember hinein. Den Januar empfehle ich persönlich nur für "Eisbader". Da hat das Mittelmeer 15-17° Celsius. Die Tage im Winter sind meistens sind sonnig bei Temperaturen um die 20°C - dennoch, es kann auch Regentage geben.
Anreise
Per Flug, mit dem Motorrad (Instagram Priscilla Toxler ab Citta Vecchia), Auto oder Camper: Es gibt die Möglichkeit mit der Fähre ab Genua (die kürzeste Strecke) und anderen Mittelmeerhäfen die tunesische Küste und Tunis zu erreichen. Ansonsten empfehle ich per Flug. Wenn man ab Deutschland fliegt, ist meine Empfehlung immer ein Direktflug. d. h. ohne Umsteigen. Es gibt mittlerweile ab einigen deutschen Städten und ab Berlin sogar 3x die Woche Direktflüge nach Tunis.
Warum ich das schreibe? Es lohnt sich einfach nicht bei einer Distanz von 1800 Kilometern zwei Starts und zwei Landungen zu absolvieren. Der Klimaschutz winkt.. Nebeneffekt: EinDirektflug ist nicht nur CO2 freundlicher sondern auch weniger anstrengend. Oft operieren die Anschlussflüge nicht nach Plan, z. B. bei Verspätungen. Dann ist schnell mal ein Tag weg und man kommt groggy in seinem Urlaub an.
Die beste Weg Tunis zu entdecken? Gemeinsam!
Warst du schon einmal in Tunis? Schreibe es mir gerne in den Kommentar.
Schreibe einen Kommentar