Legenden und Weisheiten im Maghreb
Im großen Süden
Le Grand Sud wird diese Region in Tunesien auch genannt. Von den Bundesstaaten her sprechen wir hier über die Gouvernants Tatouine, Medenine und Kebili. Eine auf den ersten Blick karge Landschaft, mit sanften Hügeln, die immer wieder atemberaubende Blicke auf Bergoasen und Oueds (Flussbetten) freigibt bei Durchfahrt auf den oft in Serpentinen gewundenen Straßen. Durch diese Regionen führt auch meine Wüstentour mit Endstation Nationalpark Sahara, Timbeine, El Jebel. So wird das Gebirge in der Sahara genannt. Tafelberge, die wie aus dem Nichts im Sand auftauchen, maximal bis zu 400 Meter hoch. Diese Tafelberge, auch UNESCO Weltnaturerbe gelistet, lassen die Landschaften in der Wüste fast surreal aussehen. Man bekommt das Gefühl, man sei auf einem anderen Planeten als auf der Erde. Ein Wüstencamp in der Nähe, trägt sogar den Namen „Camp Mars“. In dieser Region findet man regelmäßig diese kleinen Häuschen mit dem runden Dach und fragt sich, ob das vielleicht eine Schutzhütte ist…
Mein einheimischer Guide hat mich in einer verlassenen Stadt bei einer Tour durch das Dahargebirge darauf aufmerksam gemacht: „Voilá, un Marabout“.. Aha,…meine Gäste waren überrascht, sie hatten dieses Wort bisher noch nicht gehört – und keine Verbindung dazu, außer zu einer Schokolade mit gleichem Namen und einem exotischen Vogel.
Der Begriff Marabout hat zwei Bedeutungen
Im ganzen Land verteilt stößt man immer wieder Marabouts. Ein Marabout hat zwei Bedeutungen: Er ist einmal ein Schrein, eine Art Grabkammer oder ein Mausoleum aber gleichzeitig auch ein Mensch und geistlicher Heiler. In Marokko gab es übrigens auch weibliche Marabouts. Die Grabkammern dieser Persönlichkeiten sind kuppelförmige kleine Häuschen, im arabischen Qubba genannt, meistens in den Farben grün und / oder weiß gestrichen (Titelfoto). Die Farben, die im Islam für Frieden und Segen stehen. Man findet sie auch im Dahargebirge und in der Sahara. Einige Marabouts in der Wüste sind mittlerweile im Sand versunken und man sieht nur noch die kuppelförmigen Dächer.
Der Heiler
Der Marabout, eine Art Heiler, kommt in Westafrika und im Mahgreb vor, ist muslimischen Glaubens und eine eine religiöse Persönlichkeit, die als weise und gesegnet gilt. Sie kommt meist aus der Tradition des Sufismus, auch der „sanfte oder spirituelle Islam“ genannt. Der Marabout wurde als Ratgeber von der lokalen Bevölkerung aufgesucht, die bäuerlich-berberischer Herkunft war. Sie verschrieb ihm viele Wunder, was auch zu Volksglauben führte. Ein Marabout widmete sein Leben der Hingabe, Askese und Einsamkeit. Die Verehrung solcher Persönlichkeiten als Weisheit und der Besuch ihrer Gräber ist tief in der tunesischen Kultur verwurzelt. Sie hat eine lange Geschichte, die bis in die Zeit der Berber, der Ureinwohner, der Amazight, zurückreicht. Daher: Wenn so ein Häuschen unterwegs auftaucht: Bitte mit Respekt eintreten.
Grabkammer und Wallfahrtsort
Diese Stätten sind wichtige religiöse und kulturelle Orte. Der berühmteste Marabout in Tunesien ist wohl Sidi Bou Said (1160-1231), der Name des gleichnamigen Künstlerviertels und der Vorort der Hauptstadt Tunis, von dem Heiligen Sidi Bou Said abgeleitet. Sidi Bou Said erlangte große Berühmtheit, nachdem er 3 Jahre in Mekka verbracht hatte. Nach seiner Rückkehr 1210 nach Tunesien zog er sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und soll in der Nähe von Bab el Bhar, aus dem arabischen übersetzt, das Tor zum Meer (am Ende der Avenue Habib Bourghiba) und der Zitouna Moschee gelebt haben. Die Zitouna Moschee ist die älteste Moschee des Landes.

In den Bergoasen des Dahargebirges, manchmal auch die Steinwüste genannt, findet man immer wieder diese kleinen Gebäude mit dem Kuppeldach, die übrigens oft auch für Pilgertouren von Frauen heimgesucht werden.


Hast du schon einmal Marabouts im Maghreb Raum oder in Westafrika entdeckt?
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[…] Thema das mich im Dahargebirge wieder erwartet hat: Marabouts (nein, das sind keine […]
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[…] In diesem Jahr biete ich im Januar erstmalig mit Adeline Ireland ein einzigartiges Retreat an. Wir gehen an einen spirituellen Ort, einer der Geburtsorte der Erde im Dahargebirge. Das Dahargebirge ist ein Ausläufer des großen Atlas und war bis ins 7. Jahrhundert ausschließlich die Heimat der Ureinwohner, der Berber, Amazigh, in ihrer eigenen Sprache genannt. Übersetzt in der Sprache der Amazigh bedeutet das Wort „freier Mensch“. Die Amazigh waren sehr spirituell und glaubten an keinen Gott. Gleichzeitig akzeptierten sie alle Religionen. Spirituelle Heiler in Nord- und Westafrika: Ich empfehle dazu auch meinen Blogartikel über Marabouts […]
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