Das ist eine interessante Frage und ich bekomme sie immer wieder gestellt. Die Antwort darauf hängt stark von den persönlichen Vorlieben, Reisezielen und Umständen ab. Ramadan als Reisezeit hat sowohl Vorteile als auch Herausforderungen. Es gibt Menschen, die diese Zeit sehr schätzen und gerne im Ramadan reisen, während es für andere weniger ideal ist.
Hinzu kommt: Jedes arabische Land ist anders, inklusive die Ramadan-Mahlzeiten. In Tunesien wird das Frühstück, das Shour relativ frei gestaltet, wobei das Abendessen immer ziemlich sicher aus Couscous als Hauptgericht besteht. Dieses Iftar kann allerdings auch in Buffetform angeboten werden, in den UAE haben wir das z. B. erlebt. Auch die Süßspeisen sind unterschiedlich. In den Emiraten gibt es einen warmen Weichkäse mit Vanille, Kunafa genannt, in Tunesien die orangefarbenen, gebackenen Honig-Zuckerkringel. Im Oman (großes Foto / Muscat) ist das Essen indisch-asiatischer geprägt.
Deshalb ist dieser Beitrag als genereller Wegweiser zu betrachten.

Arabische Länder im Ramadan
Für Einheimische ist diese Zeit im wahrsten Sinne des Wortes heilig. Es wird kaum gereist, man besinnt sich auf seinen „inner circle“, die Familie und verbringt viel Zeit zu Hause als Ramadan-Praktizierende(r). Was natürlich auch einfacher ist als „draußen“ unterwegs zu sein, wenn man fastet. Warum sollte man auch raus gehen, wenn Cafés und viele Geschäfte geschlossen sind und man öffentlich nicht konsumieren darf. In Tunesien fasten nicht alle Menschen, nachdem hier ein eher gemäßigter Islam dort gelebt wird. Für diejenigen, die es nicht tun, birgt diese Zeit ein paar Herausforderungen. Da es nicht gut angesehen ist, dies zu zeigen, als Nichtfastender sichtbar zu sein in Cafés zu gehen. Viele Tunesier reisen auch in dieser Zeit. Diejenigen, die es sich leisten können, verbringen diese Zeit gerne im Ausland.
Meine letzte Reise im Ramadan und Start in Tunis
Ein Freund sagte mir vor Kurzem, die Wirtschaftsleistung in Tunesien sei im Ramadan auf 30% reduziert. Tatsächlich haben wir das nicht so mitbekommen. Nach der Landung in Tunis-Carthage / Flughafen im März habe ich mich im Hotel Africa, direkt an der Prachtavenue Habib Bourghiba mit meiner Assistentin verabredet; Karin war für die folgenden Wüstentouren ist schon zwei Tage vorher in Tunis eingetroffen und dieses Hotel ist ein strategisch guter Treffpunkt. Karin hatte den Ramadan schon zwei Tage in einem Hotel im Vorort La Marsa erlebt, ohne ohne größere Einschränkungen. Taxis und Louages (Sammeltaxis) fuhren ganz regulär, nur zum Abend hin musste sie sehen, dass sie bis zum Fastenbrechen um ca. 18.30 Uhr ihr Ziel erreichte. Warum? Es gibt keine Taxis mehr nach dem Fastenbrechen – da is Essenszeit:)
Nach kurzem Briefing über die bevorstehenden Wüstentouren und organisatorisches für unsere Weiterreise in den Süden auf die Insel Djerba waren wir startklar für den Abend in Tunis und um in die Medina, die Altstadt und einzutauchen. Auf der Straße herrschte normal, reger Verkehr, Menschen waren eilig unterwegs um letzte Besorgungen für das Abendessen, das Ramadan Diner zu erledigen.
Wir hatten das Glück in der Medina in verschiedenen Restaurants schon gedeckte Tische vorzufinden. Viele Tische waren reserviert, aber wir hätten immer einen Platz bekommen, in jedem Lokal. Unser erster Besuch war in meinem Lieblingsrestauran El Ali, auch ein Kulturcafé mit einem zauberhaftem Rooftop. Wir haben uns dann aber entschieden noch ein bisschen durch die Gassen zu streifen um einer Restaurant-Empfehlung eines Freundes nachzugehen. Um 18 Uhr war es noch etwas früh, aber langsam öffneten sich die Türen, diverser Häuser. Das allein war schon besonders von der Atmosphäre her.
Iftar in der Tunis Medina
Das Ramadan-Essen, das Iftar, durften wir in einem familiengeführten Restaurant genießen. Mitten in der Medina im Gassengewirr und von einem Einheimischen geführt. Die Empfehlung haben wir von jemandem vor Ort bekommen. Und es war eine super Wahl, wie wir im Verlauf des Abends festgestellt haben. Es ging los mit einen Cocktail aus Psisar, ein spezielles Getreide und Zucker, um die Magenschleimhäute zu aktivieren, gefolgt von gefüllten Datteln, Brik (die frittierten Teigtaschen) – und natürlich Couscous mit Salat „Tunisienne“. Ob wir noch einen Dessert hatten? Ich kann mich nicht erinnern, nur an den starken Tee als Abschluss und daran, dass wir mehr als satt waren..



Weiterreise in den Süden ohne Zwischenfälle
Nach einer Fahrt mit dem Nachtbus, die sich nicht anders angefühlt hat als Fahrten außerhalb des Ramadans sind wir morgens um 5.30 Uhr auf der Insel Djerba in unserem Hotel eingetroffen. Dort haben wir keine speziellen Bedingungen gehabt, die Taxis fuhren vom Busbahnhof ganz regulär, die Menschen waren noch frisch, denn sie hatten ja gerade das Sour, das Ramadan Frühstück hinter sich. Beim Check-in im Hotel wurden wir, wie immer freudig begrüßt und haben den Vormittag erst einmal das Zimmer mit Meerblick genossen, bevor wir zum Frühstück in die 1. Reihe vorgerückt sind:

Besonderes während des Ramadans und Vorteile
Ich mag die auf mich fast spirituell wirkende Atmosphäre im Ramadan. Die Moscheen, sind besonders belebt, die Straßen abends festlich beleuchtet, es ist lebhaft (die Medina in Tunis ist normalerweise dunkel ab 18 Uhr) weil die Souks geschlossen sind und sich das Leben tagsüber abspielt. Im Ramadan ist es umgekehrt.
Vorteile beim Reisen im Ramadan
- Leere Hotels – niedrige Preise
- Oft günstigere Flüge in Destinationen in denen Ramadan gefeiert wird
- Eintauchen in die Kultur – man kommt nicht drumherum zu erleben, was ein Ramadan-Dinner bedeutet: Viele Einheimisch gehen im Ramadan abends essen
- Weniger Touristen an Orten und Sehenswürdigkeiten, die sonst sehr stark besucht sind
- Möglichkeit für neue kulinarische Entdeckungen (besondere Süßspeisen, die Vorspeisen,..)
Herausforderungen während des Ramadans
Viele Cafés, Geschäfte und Banken öffnen reduziert in dieser Zeit. Das kann zu Einschränkungen führen und man muss sich gut organisieren, wenn man z. B. Bankgeschäfte erledigen will, größere Mengen Bargeld abheben etc.
Bei touristischen Unternehmungen kann man davon ausgehen, dass Fahrer und / oder Guides um ca. 12.30 Uhr – 13 Uhr „einknicken“. Was bedeutet, sie brauchen dann eine Pause. Die sollte man ihnen dann gönnen. Meistens wird die Reiseroute auch so geplant, dass um diese Zeit ein Ort angefahren wird, an dem die Gäste selbständig ihre Entdeckungen machen können, keine Betreuung brauchen.
Wir hatten überhaupt keine Einbußen während unserer Fahrt in die Sahara und haben die Stille genossen. In der Sahara herrscht das ganze Jahr über Ramadan, auf jeden Fall im Nationalpark El Jebel:)
Fazit
Reisen während des Ramadan kann eine einzigartige Gelegenheit sein, dein Gastland einmal von einer anderen Seite kennenzulernen. Es erfordert jedoch etwas mehr Planung und Rücksichtnahme auf die lokalen Gepflogenheiten und der Menschen um dich herum.
Essen in der Öffentlichkeit in Tunesien stellt kein Problem dar, viele Tunesier empfinden es als veraltete Gepflogenheit im Ramadan nicht in Gegenwart von fastenden Menschen zu essen oder zu trinken. Dennoch: Nicht jedes arabische Land ist gleich.
Meine nächste Reise im Ramadan geht in die Salzwüste in die Oase Tozeur. Reisezeit: 15.-22.03.2026 als Ort: Alle Infos