Meine Reise in den Norden des Landes stand schon länger im Raum. Schon von meiner tunesischen Yogalehrerin habe ich von Orten wie Ain Draham gehört. Ein Ort der im Nordwesten des Landes liegt, mir aber nicht bekannt war, nachdem ich in den letzten Jahren sehr viel im Süden und auf Djerba unterwegs war. Es ging außerdem nach Tabarka, ein Geheimtipp für Taucher aufgrund der Korallenriffe und des sauberen Meeres.
Reiseverlängerung in Nord Tunesien im Mai
In diesem Mai hatte ich die Gelegenheit, mir ein frisches Bild von der Region zu machen. Das Titelfoto ist übrigens in Bizerte entstanden. Der Ort wird oft mit Griechenland verglichen – wegen des Hafens, der Fischerboote und der Häuser, die ein mediterranes Flair verbreiten, mehr noch als ein orientalisches. Das gilt übrigens für viele Orte im Nordwesten.
Meine Yogalehrerin hatte dort einmal im Herbst ein Yoga-Retreat für ihre Gruppe aus Tunis angeboten und mich gefragt, ob ich mir ein solches Konzept ebenfalls vorstellen könnte. Für meine Zielgruppe und meine Kundinnen und Kunden fand ich das damals jedoch nicht besonders interessant: instabiles Wetter, eine Landschaft, die Europa ähnelt, viel zu kalt … kurz gesagt: Ich hatte dieses Bild im Kopf. Hatte … 😉
Pinienwälder und kleine Buchten
Der Norden erwies sich tatsächlich als Reisehighlight meiner letzten Reise. Anfang Mai hatte ich eine Privatreise bzw. eine 1:1-Begleitung nach Tunis, meiner Städtereise, eine Einladung nach Raf Raf und außerdem eine Verabredung zu einem Famtrip nach Nordtunesien mit meiner Partneragentur.
Schon länger hatten wir darüber gesprochen, den Norden des Landes gemeinsam zu erkunden, um eine neue Tour zu entwickeln. Meine letzte Reise nach Tabarka lag über 30 Jahre zurück! Damals arbeitete ich für einen großen deutschen Touroperator als Reiseleiterin in Hammamet.
In dieser Zeit machten wir einen Betriebsausflug nach Tabarka in Nordtunesien. Meine Erinnerungen daran waren mit den Jahren verblasst. Doch die Bucht mit ihrem glasklaren Wasser sowie die zugleich sanften und kraftvollen Wellen waren mir immer im Gedächtnis geblieben.
An das Hotel konnte ich mich kaum noch erinnern. Nur daran, dass wir nach der langen Fahrt direkt ins Restaurant gegangen sind – und es bereits dunkel war. Das lässt auf eine deutlich längere Reisezeit schließen. Khaled, der Agenturchef hat mir das bestätigt: Vor 30 Jahren dauerte die Fahrt etwa doppelt so lange wie heute. Es gab nur schmale, kurvenreiche Straßen und kaum Verkehr.
Die Region lag damals weit entfernt von allen touristischen Zentren des Landes – und genau das macht sie so besonders: Auch heute noch liegt Tabarka jenseits der touristischen Routen. In meinem Mai Rückblick habe ich die Tour kurz erwähnt.
Nationalpark Ghar el Melh
Das Gebiet rund um die Lagune von Ghar el Melh gehört zu den wichtigsten Feuchtgebieten Tunesiens und dient auch als Vogelrastplatz für verschieden Zugvögel. Die Mischung aus Brackwasser, Schilfgürteln und flachen Uferzonen schafft ideale Lebensräume und somit ein reiches Futtergebiet für viele Vogelarten, wie Flamingos, Reiherarten, Stelzenläufer verschiedene Entenarten, Möwen und Seeschwalben.
Manchmal braucht eine Landschaft keine großen Gesten, um Eindruck zu hinterlassen. Ghar El Melh ist so ein Ort. Still liegt die Lagune da, als wäre sie schon immer Teil dieser Küste gewesen. Dabei erzählt sie von Veränderung.
Wo einst der Golf von Utica (Link zu Wiki) das Land formte, haben die Sedimente des Medjerda-Flusses über Jahrhunderte hinweg eine neue Landschaft entstehen lassen: Schilfgürtel, flaches Wasser, ein fragiles Mosaik aus Land und Meer.
Heute erstreckt sich dieses Feuchtgebiet über rund 3.000 Hektar und steht als Ramsar-Schutzgebiet unter internationalem Schutz. Doch all diese Zahlen und Bezeichnungen erfassen nur einen Teil dessen, was diesen Ort ausmacht: Die Natur folgt noch ihrem eigenen Rythmus.
Grüne Landschaften und blaues Meer
Im Mai erlebt man die Region wahrscheinlich in ihrer schönsten Zeit. Alles ist noch grün, die Temperaturen sind angenehm und die Zugvögel sind noch in der Lagune unterwegs, bevor die Hochsaison und der Sommer beginnt.
**Fortsetzung Nord Tunesien folgt!