Kairouan – zwischen Teppichen, Minaretten und Filmlegenden

23. Juni 2026

Es gibt Städte, die man besucht. Und es gibt Städte, die man betritt wie ein Kapitel aus 1001 Nacht. Schon die Anfahrt nach Kairouan durch die weite, grüne Landschaft mit sanften Hügeln von Sousse aus wirkt wie eine Reise in eine andere Zeit und fühlt sich an wie Augen Wellness. Angekommen entfaltet sich hinter den sandfarbenen Stadtmauern eine Stadt, deren Name in der islamischen Welt bis heute Ehrfurcht hervorruft. Kairouan gilt als eine der heiligsten Städte des Islam und war über Jahrhunderte religiöses, kulturelles und wissenschaftliches Zentrum Nordafrikas.

Zentrum des Islam in Nordafrika

Kairouan wird im Mahgreb und in Tunesien sehr häufig als die „vierte heilige Stadt des Islam“ bezeichnet, insbesondere wenn man mit einem Reiseführer einen Besuch der Großen Moschee bucht. Diese Bezeichnung beruht auf ihrer enormen historischen Bedeutung als frühes Zentrum islamischer Gelehrsamkeit und auf der herausragenden Rolle der Großen Moschee. UNESCO und zahlreiche Reiseführer verwenden ebenfalls die Formulierung „vierte heilige Stadt des Islam“. Dennoch: Eine offiziell anerkannte „vierte“ heilige Stadt des Islam gibt es nicht. Manche islamischen Gelehrten und nennen Kairouan, andere verweisen auf Orte wie Damaskus oder Hebron in der Westbank, nach den ersten drei heiligen Städten Mekka, Medina und Jerusalem.

Wer durch die kuppelförmigen Gassen der Medina schlendert, begegnet dieser Geschichte auf Schritt und Tritt. Zwischen weiß gekalkten Wänden, schweren Holztüren und kleinen Werkstätten scheint die Vergangenheit erstaunlich lebendig geblieben zu sein. Der Ruf des Muezzins hallt mehrmals täglich über die Dächer, während Händler ihre Waren anbieten – ein Klang, der sich seit Jahrhunderten kaum verändert haben dürfte.

Bedeutendes Monument und Wahrzeichen: die Große Moschee

Im Herzen der Stadt erhebt sich die berühmte Große Moschee von Kairouan. Ihre gewaltigen Mauern, der markante Minarettturm und die weitläufigen Innenhöfe machen sie zu einem Meisterwerk islamischer Architektur. Gegründet im 7. Jahrhundert, gilt sie als eine der ältesten und bedeutendsten Moscheen der islamischen Welt. Wer den Innenhof betritt, spürt sofort die besondere Atmosphäre dieses Ortes – feierlich, ruhig und von einer Würde, die selbst Besucher ohne religiösen Bezug beeindruckt.

Doch Kairouan war nicht nur ein spirituelles Zentrum. Über Jahrhunderte war die Stadt auch eine der bedeutendsten Teppichmetropolen Nordafrikas. Die kunstvoll geknüpften Kairouan-Teppiche genossen weit über Tunesien hinaus einen hervorragenden Ruf. Noch heute präsentieren Händler in traditionellen Werkstätten ihre farbenprächtigen Kunstwerke, deren Muster oft von Generation zu Generation weitergegeben werden. Zwischen Seide, Wolle und jahrhundertealten Knüpftechniken erzählt jeder Teppich seine eigene Geschichte. Mein persönlicher Tip, wem ein Teppich zu viel für das Handgepäck ist: In Kairouan habe ich auch wunderschöne handgewebte Stoffe entdeckt.

Kairouan liegt auf der Filmroute

Die überraschende Verbindung zur Filmwelt: Tunesien dient für verschiedene Blockbuster und auch für arabische Filme schon oft als Kulisse. Fans von Abenteuerfilmen erinnern sich vielleicht an die legendären Szenen aus dem Film Jäger des verlorenen Schatzes. Teile der Produktion rund um die Indiana Jones-Reihe entstanden in Tunesien, und auch die einzigartige Kulisse Kairouans Altstadt, der Medina trug dazu bei, jenes geheimnisvolle Orientbild zu prägen, das Millionen Kinobesucher faszinierte.

Die verwinkelten Gassen, die historischen Mauern und das besondere Licht wirken tatsächlich wie geschaffen für große Leinwandabenteuer.

Kairouan ist kein Ort der spektakulären Inszenierung. Die Stadt beeindruckt leise. Mit ihrer spirituellen Bedeutung, ihrer reichen Handwerkstradition und ihrer außergewöhnlichen Geschichte erzählt sie von einer Zeit, als Karawanen aus allen Himmelsrichtungen hier zusammentrafen. Wer heute durch die Medina geht, begegnet nicht nur einer Stadt, sondern einem lebendigen Stück Weltkultur.

Wer Kairouan verlässt, nimmt weniger spektakuläre Bilder mit als vielmehr eine Stimmung: das goldene Licht auf den Mauern, den Klang der Gebetsrufe und das Gefühl, dass hier vieles länger überdauert hat als anderswo.

Wie ist das Klima in Kairouan?

Kairouan liegt fast in einem Tal, von der Meereshöhe ausgehend, tiefer als andere Orte und das Klima ist dort im Winter sehr angenehm. Oft ist es dort wärmer als im restlichen Tunesien.

Warst du schon einmal in Kairouan, Tunesien?

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