Die Magie des Momentums

22. März 2026

Über verpasste Chancen und die Magie des Momentums

Gestern haben wir den Frühlingsanfang gefeiert, mit Freunden und Feuerkorb und über verpasste Chancen gesprochen, ob sie prägen und wirklich verpasst sind. Für mich sind es nicht die großen Entscheidungen, die ein Leben prägen – sondern die Reisen, die wir nicht antreten. Das spüre ich auch in diesen Zeiten, neben dem aufkommenden Frühling, einer neuen Jahreszeit.

Nicht, weil die Reise unmöglich gewesen wäre. Sondern, weil sie in einem Moment stattfanden, den ich verstreichen ließen.

Diese Reisen tauchen nicht in Suchmaschinen auf, haben keinen festen Preis, kein Rückgaberecht. Sie entstehen aus einer Laune heraus, einem Gespräch um Mitternacht, einer zufälligen Einladung. „Komm doch einfach mit.“ Und plötzlich steht sie im Raum: die Möglichkeit.

Doch genau darin liegt ihr Wesen – sie sind nicht wiederholbar.

Diese Gedanken begleiten mich in diesen Wochen. Vor einem Jahr befand ich mich im Oman, auf der arabischen Halbinsel. Nach meiner "Reisehalbzeit" bekam ich eine Einladung von meinem Freund und Guide ihn mit seinen 3 Freunden mit 2 Jeeps durch den "Empty Quarter", die Wüste Rub-Al-Chali, eine der größten Sandwüsten der Welt auf der arabischen Halbinsel, zu begleiten.

OMG! Schnappatmung. Hegra - kommen wir da vorbei? Ja, in der 3. oder 4. Nacht campen wir amElephant Rock. Mein Herz schlug wild. Seit ich die Fotos von diesen Felsformationen und Steindenkmälern im Bikini-Haus Berlin während einer Ausstellung 2015 über Saudi Arabien gesehen habe, wollte ich dorthin. Nur wie? Und mit wem? Keine meiner Freund:nnen war interessiert.

Die Fahrtroute mit den Jungs, versierte Wüstenfahrer und Camper wäre 1000 km durch die saudische Wüste, den Empty Quarter gegangen.Syrien und Jordanien auf der Route, ich hätte dabei auch noch PETRA, die Felsenstadt gesehen! Getrennt hätten wir uns in Amman. Ich wäre von dort nach Berlin geflogen, die anderen über Dubai noch Muscat.

Der Gedanke mit 4 Männern durch ein Land zu fahren, wo die Frauen keine Rechte haben oder hatten, machte mich unterbewußt nervös. Das Vertrauen in meine Mitreisenden war allerdings so groß, dass ich tagelang überlegte... ja-nein-ja...

Dann siegte die Vernunft. Nein. Es wäre zeitlich zu knapp geworden, ich hätte meinen Rückflug ab Muscat verfallen lassen müssen und irgendwie ab Syrien oder Jordanien, die folgenden Reisestationen, zurück nach Berlin fliegen müssen. Um pünktlich zurück zu sein für meine Tunisreise, die sehr zeitnah stattfand.

Vielleicht war es genau diese eine Person, mit der es sich richtig angefühlt hätte, einfach loszufahren, ohne Plan. Und dann sagt man: „Vielleicht später.“ Aber später ist oft nur ein kurzer Gedanke und bleibt Illusion.

Diese verpassten Reisen hinterlassen keine Fotos. Keine Postkarten. Keine Geschichten, die man erzählt. Und trotzdem bleiben sie. Als leise Frage: Was wäre gewesen, wenn…?

Doch vielleicht geht es gar nicht darum, jede Chance zu ergreifen. Vielleicht geht es darum, sie zu erkennen, wenn sie vor einem steht – diese seltenen, unwiederholbaren Momente. Und dann nicht zu lange zu zögern.

Denn die besonderen Reisen sind nicht die, die perfekt geplant sind. Sondern die, die nur einmal möglich waren. Und genau deshalb so wertvoll.

Später bekam ich dann eine Whatsapp (Titelfoto), die mir als bleibende Erinnerung an diese nicht angetretene Reise dient.

*Wüstentouren, die ich persönlich in die tunesische Sahara begleite findest du im link.

Warst du schon einmal in so einer Situation? Schreibe mir gerne, wie du sie verarbeitet hast.

2 Kommentare zu „Die Magie des Momentums“

  1. Schön beschrieben, liebe Susanne. Später wird leider allzu oft nie. Genau wie du schreibst: Es entstehen keine Fotos, keine Erinnerungen und keine Momente für dein Museum des Lebens, wie John Strelecky es mal beschrieben hat.
    Ich erinnere mich auch an ein paar verpasste Chance, die ich heute bereue. Aber in den Momenenten hat auch die Vernunft über den Abenteuergeist gesiegt. Vielleicht sollten wir weniger nachdenken und öfter das Momentum nutzen?
    Liebe Grüße
    Claudia

    1. Susanne Stukenberg

      Liebe Claudia: Vielen Dank für deine Inspiration „weniger nachdenken“. Ich bin auch oft im Zweifel, ob ich in manchen Situationen im Leben zuviel nachgedacht habe. Und darüber hinaus die Entscheidung verpasst. Mittlerweile erkenne ich wann das Momentum da ist. Nur Entscheidungen kann uns keiner abnehmen…und wer weiß schon, ob sie schlecht oder gut waren, wenn wir sie getroffen haben?

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