Internationaler Frauentag – ist der Feiertag noch zeitgemäß?

14. März 2026

8. März – Internationaler Frauentag und meine Gedanken

Der 8. März kommt jedes Jahr mit einer merkwürdigen Mischung aus Aufmerksamkeit und Ritual.
Nachrichten ploppen auf. Glückwünsche. Blumen-Emojis. Wertschätzung in kurzen Sätzen. Genau and diesem Tag saß ich in der Berliner S-Bahn. Es war laut, während meiner Strecke, 5 Halte, stiegen Musiker, Obdachlose und Drogensüchtige ein, alle auf der Suche nach Gaben. Fordernd, bittend, verzweifelt. Einer wiederholte ständig vehement:

„Alles Gute zum Frauentag.“

Er tut mir leid und es bedrückt mich immer wieder aufs Neue diese Situationen in einem reichen Land wie unserem zu erleben. Aber – ich spüre gleichzeitig eine leise Irritation.
Denn wofür genau wird hier gratuliert? Neben der Nutzung des Satzes zur Aufmerksamkeitsgewinnung.

Für das Frausein?
Für das Durchhalten?
Oder für etwas, das immer noch als Besonderheit gilt: eine Frau, die führt.

Immer auf Positionierung

Als Unternehmerin verbringe ich viel Zeit damit, mich zu positionieren.
Nicht nur strategisch im Markt, sondern auch im Raum.

Ich weiß, dass ich gut aussehe.
Das war nur nie mein Geschäftsmodell.
Aber es ist oft das Erste, was wahrgenommen wird.

Blicke bleiben manchmal einen Moment länger.
Gespräche beginnen mit einer leichten Irritation, wenn Menschen merken, dass hinter der äußeren Erscheinung eine Haltung, Erfahrung und strategisches Denken stehen.

Es ist eine eigenartige Gleichzeitigkeit:
Die Aufmerksamkeit kommt schnell.
Der Respekt oft später.

Und manchmal frage ich mich, wie viel Energie Frauen in Führungsrollen darauf verwenden, genau diese Verschiebung herzustellen – von der Oberfläche zur Substanz.

Nicht laut.
Nicht kämpferisch.
Sondern einfach durch konsequente Arbeit, durch Entscheidungen, durch Verantwortung, durch Ergebnisse.

Ich habe zwei Unternehmen aufgebaut, eine Marke registriert, Ideen entwickelt, Mitarbeiter geführt, Risiken getragen.
Nicht, weil ich eine Frau bin. Und auch nicht trotz dessen.

Sondern weil ich es kann und Lust darauf hatte. Weil ich damit umgehen kann, dass man manchmal über seine Grenzen gehen muss um zu wachsen

Sichtbarkeit als Dauer-Herausforderung

Der Weltfrauentag erinnert mich daran, dass Sichtbarkeit immer noch eine Rolle spielt.
Dass es wichtig ist, Geschichten von Frauen zu erzählen, die führen, gestalten und Verantwortung übernehmen.

Und doch wünsche ich mir manchmal eine leisere Zukunft.

Eine, in der Kompetenz nicht mehr überrascht.
Eine, in der Führung nicht erklärt werden muss, wenn sie weiblich ist.
Eine, in der Erfolg nicht kommentiert wird, sondern selbstverständlich ist.

Vielleicht ist der 8. März deshalb weniger ein Tag zum Feiern als ein Moment zum Innehalten für mich.

Ein Tag, an dem ich mich daran erinnere, warum ich tue, was ich tue:
nicht um Erwartungen zu erfüllen,
nicht um Rollen zu bestätigen,
sondern um zu gestalten.

Umfelder, in denen Substanz sichtbar wird.

Und vielleicht wird irgendwann ein 8. März kommen, an dem mein Postfach einfach still bleibt und ich auf social media und in der S-Bahn keine Gratulationen mehr bekomme.

Nicht aus Gleichgültigkeit. Sondern weil Gleichberechtigung dann kein Anlass mehr ist, über sie zu sprechen.

Was fällt dir zum internationalen Frauentag ein?

1 Kommentar zu „Internationaler Frauentag – ist der Feiertag noch zeitgemäß?“

  1. Ich verstehe deine Bedenken. Der 8. März forderte ursprünglich das Frauenwahlrecht. Das haben wir erreicht. Nun gehts weiter. Heutzutage wird der Tag genutzt, um auf generelle Frauenrechte, Gehaltsunterschiede und Diskriminierung aufmerksam zu machen. Es ist allerdings schade, dass wir dafür (nur) einen Tag benötigen. Glückwünsche (für was genau?) empfinde ich auch irritierend.

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