Ist achtsamer Reisen wirklich neu? Oder ein wieder aufgelebter Reisetrend? Diese Frage habe ich mir seit einiger Zeit gestellt. Dann habe ich Maria Athanasopoulou getroffen: Sie entwickelte das Konzept des Mindful Escape Tourism, das achtsames, kulturell respektvolles Reisen unterstützt. Auf deutsch übersetzt könnte man „achtsamer Auszeit-Tourismus“ sagen. In ihrer Arbeit verbindet sie Tourismusförderung mit Nachhaltigkeit und regionaler Identität. Sie veröffentlichte ein Konzeptpapier mit dem Titel Mindful Escape Tourism, in dem sie das Modell wissenschaftlich und theoretisch beschreibt.
Ziel dieses Konzeptes ist es, Tourismus neu zu denken – weg vom Konsum, hin zu Reflexion, Empathie und lokalem Bewusstsein. Der Fokus liegt auf nachhaltigen, authentischen Begegnungen zwischen Reisenden, Einheimischen und Orten.
Wann Mindful Escape Tourism passiert – und wann nicht, ein Beispiel
Oft habe ich in den letzten Jahren „Hands on“ Touren, wie z. B. in die Sahara begleitet. Bei einigen Gruppenn wurde ununterbrochen über den Alltag zu Hause oder vergangene Reisen gesprochen. Das erschwert mit dem eigentlichen Ort in eine Verbindung zu kommen und dort zu landen wo man gerade ist. Die Wanderung durch den Grand Canyon ohne Wasser, war bestimmt ein Erlebnis, das man lange nicht vergisst, genauso wie eine asiatische brodelnde Metropole oder die Städtereise nach Rom. Nur: Hilft oder dient das der Präsenz am eigentlichen Ort und wird es ihm gerecht?
Der Moment in dem es Klick macht
Während der Informationsflut über andere Länder und Orte auf die Mitreisenden rollt und klettert unser Jeep durch Riesendünen und läßt uns die ganze Magie der ungläubigen Weite der Sahara spüren, uns, die versuchen in den Ort einzutauchen. Dann auf einmal hält der Fahrer oben auf dem höchsten Dünenkamm. Ich steige aus, zwei andere Gäste folgen mir sofort und tauchen in den pudrigen Sand ein, wir laufen die Riesendüne runter und sind zu Tränen gerührt.
Ich werde gefragt, ob sie mich umarmen können. Sie sind glücklich und zutiefst berührt von der Schönheit der Natur und danken mir, dass ich sie hierher gebracht habe. Tränen fließen. Der Freude. Unendliches Glück und Leichtigkeit hat sie erfasst. Saharamagie. Das andere Paar hat mittlerweile die Diskussion beendet, ob es denn jetzt im Grand Canyon in den USA während der Wanderung vor 3 Jahren doch noch einen Kiosk gab, wo man Wasser kaufen konnte. Sie trennen mehr als 20.000 km von dem Ort an dem wir gerade sind.
Worauf basiert MET – Mindful Escape Tourism?
MET basiert auf 5 Säulen:
- Verbindung
- Entschleunigung
- Einfachheit
- Ruhe & Raum
- Authentizität
Man spricht hier auch von Neurotourismus.
Für wen ist Mindful Escape Tourism?
Mindful Escape Tourism ist besonders interessant für Menschen, die bewusst reisen möchten, um sich mental, emotional und körperlich zu erholen. Reisende, die nicht nur einen Urlaub machen, sondern wirklich zur Ruhe kommen wollen.
Wann brauchst du eine Reiseform wie Mindful Escape Tourism?
Bei Burnout, psychischen Krankheiten kann diese Reiseart besonders förderlich sein. Ich habe in den letzten Monaten gesehen, dass Schweden jetzt auf Rezept reisen verschreibt. Das fand ich interessant! Wobei es darum bestimmt nicht um irgendeine Reise geht, die dem Menschen in einer körperlichen und psychischen Notsituation hilft.
Was ist Mindful Escape Tourism nicht?
1. Kein Massentourismus
Der Fokus liegt nicht auf soviel sehen wie möglich. Die Reise schließt große Hotelanlagen und sehr besuchte Orte aus
2. Kein Unterhaltungstourismus
Die Reise ist nicht auf Party, Unterhaltung, Alkohol und Nachtleben ausgelegt, sondern auf Ruhe
3. Kein stressiger Sightseeing Tourismus
Es gibt keine vollen Tagespläne mit vielen Aktivitäten, kein Abhaken von Sehenswürdigkeiten oder leistungsorientiertes Reisen
4. Kein konsumorientierter Tourismus
Die Reise dient nicht zum „shoppen“ oder konsumieren, ist nicht auf Luxus oder Status ausgerichtet. Der Fokus liegt auf innerer Erfahrung anstatt auf materiellen Dingen
5. Kein unbewusstes oder automatisches Reisen
Man fährt nicht einfach weg, um „wegzufahren“, sondern mit bewusstem Ziel der Selbstreflexion und Erholung
Mindful Escape Tourism ist als nachhaltiger Tourismus zu verstehen, kein Party- und konsumorientiertes Reisen, da der Fokus nicht auf Unterhaltung oder Aktivität liegt, sondern auf Achtsamkeit, mentaler Erholung und bewusster Entschleunigung.
Fazit: Eine Reiseform die lange unbeachtet blieb
Mindful Escape Tourism ist eine bewusste Form des Reisens, die auf mentale Erholung, Achtsamkeit und persönliche Regeneration abzielt. Im Gegensatz zum Massentourismus steht nicht Unterhaltung oder Konsum im Mittelpunkt, sondern die innere Ruhe, Entschleunigung und eine tiefere Verbindung zu sich selbst und zur Umgebung. Das von Maria Athanasopoulou entwickelte Konzept richtet sich besonders an Menschen, die dem stressigen Alltag entfliehen und ihr Wohlbefinden nachhaltig stärken möchten. Somit stellt Mindful Escape Tourism eine moderne und gesundheitsorientierte Alternative zu traditionellen Tourismusformen dar.
Warum ich Mindful Escape Tourism Trainer & Coach geworden bin?
Ich habe mich für eine Weiterbildung zur Mindful Escape Tourism Trainerin und Coach entschieden, weil ich Reisen nicht nur als touristische Aktivität, sondern als Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung und mentalen Erholung verstehe. Meine langjährige interkulturelle Erfahrung sowie meine enge Verbindung zu naturbasierten und ruhigen Orten, wie Wüsten wie die Sahara oder das Dahargebirge in Tunesien, haben mir gezeigt, dass Reisen eine transformative Wirkung auf das Wohlbefinden und die Selbstwahrnehmung haben kann.
Ein weiterer Trigger war mein Wunsch, Menschen dabei zu unterstützen, durch bewusstes und achtsames Reisen Abstand vom stressigen Alltag zu gewinnen und eine tiefere Verbindung zu sich selbst und ihrer Umgebung aufzubauen. Das Konzept von Mindful Escape Tourism hat mir eine passende theoretische und praktische Grundlage geboten, da es Achtsamkeit, Entschleunigung und persönliche Transformation in den Mittelpunkt des Reiseerlebnisses stellt.
Mit Blick auf meine persönlichen Reisen und Retreats kann ich mit den Aspekten von Mindful Escape Tourism gezielt Angebote schaffen, die Reisende in ihrer mentalen Regeneration und Selbstreflexion unterstützen, wie mein jüngstes Angebot z. B., Wandern und Trekking am Geburtsort der Erde, „The Great Dahar“, in Süd Tunesien.


Mindful Escape Tourism als Tool
MET – Mindful Escape Tourism kann als Tool / Werkzeug helfen Nachhaltigkeit besser zu verstehen, stellt das WARUM ins Zentrum des Tuns. Die MET Anerkennung für geht über eine Zertifizierung hinaus und bietet Hotels, Tourismus-Akteuren und Destinationen die Möglichkeit, Nachhaltigkeit und wirtschaftlichen Erfolg zu verbinden und nachzuvollziehen. Im Rahmen der Qualifizierung wird der Akteur / Hotel / Destination ein eigenes Projekt entwickeln und dabei motiviert die Prinzipien von MET anzuwenden. Begleitet wird er von mir nicht als Trainer sondern als Coach. Ich zeige ihm den Weg durch Feedback Gespräche, die zu einem tieferen Verständnis führen.
Durch achtsame Reiseangebote können Hotels neue Zielgruppen erreichen, ihre Marke stärken, unabhängiger bei Marktschwankungen werden und gleichzeitig Umwelt und lokale Gemeinschaften schützen. Dieser Ansatz schafft nicht nur einen Wettbewerbsvorteil, sondern sichert langfristige wirtschaftliche Stabilität in einem sich kontinuierlich verändernden Tourismusmarkt.
How to? Der Weg zur Anerkennung
Sie haben Interesse an einer Anerkennung / Auszeichung (Recognition) Ihrer Unterkunft oder Ihrer Reisedienstleistung und möchten mehr über den Prozess bis zur Anerkennung wissen? Kontaktieren Sie mich telefonisch oder per email: mail (@) susannestukenberg.de und erhalten Sie die Schritt-für-Schritt Anleitung und werden Teil des Mindful Escape Tourism Networks!
PS: Meine persönliche Mindful Escape Empfehlung? Infos im link
PPS: Das Titelfoto ist während meiner Reise und Einladung in das Glamping Camp und Retreatcenter Cerchio Desidero entstanden
Cerchio Desidero war mein erster Kunde, der in der Kategorie „Selection“ als Unterkunft der die Anerkennung „Mindful Escape Tourism“ bekommen hat. ***Congrats Kerry!
Über Maria Athanasopoulou
Maria Athanasopoulou ist die Begründerin des Konzepts „Mindful Escape Tourism“. Sie entwickelte und veröffentlichte das Modell als neue Form des bewussten und nachhaltigen Reisens, das auf mentale Erholung, Achtsamkeit und eine tiefere Verbindung zwischen Reisenden, Orten und sich selbst setzt. 2009 gründete sie Respond On Demand Ltd, ein Unternehmen, das professionelle Vernetzungstreffen zwischen griechischen Tourismusunternehmen und internationalen Reiseveranstaltern organisiert. Sie ist auch Initiatorin des gemeinnützigen Forums Top Tourism, das nachhaltige Praktiken und griechische Kultur im Tourismus fördert. Zudem ist sie Botschafterin der internationalen Organisation Green Destinations in Griechenland sowie Repräsentantin des Good Travel Scan-Projekts in Griechenland und Zypern.
2 Kommentare zu „Mindful Escape Tourism – achtsamer reisen: Ein neuer Reisetrend?“
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[…] Mindful Escape Tourism – Achtsamer reisen: Ein neuer Reisetrend? […]
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Beautiful a special place to hideaway, escape reality and reset amongst nature and traditional Italian culture.
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Looking much forward to our next meeting between the olive trees and some great views:)
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